Das FEES-Zertifikat nach ESSD
Das Curriculum der European Society for Swallowing Disorders (ESSD) ist seit 2017 der maßgebliche Rahmen für die FEES-Ausbildung in Österreich. Es wurde auf Basis des DGN-Curriculums entwickelt und teilt dessen inhaltlichen Fokus auf neurogene Dysphagien.
Der wesentliche strukturelle Unterschied zum DGN-Weg: ESSD-Basiskurse werden von der ESSD selbst veranstaltet — es gibt keine externe Akkreditierungsstruktur für Drittanbieter.
Österreich: Zertifikat ohne Pflicht — aber mit Argument
In Österreich ist das FEES-Zertifikat keine berufsrechtliche Voraussetzung. Das Berufsgesetz der Logopädie ist eindeutig: Diagnostik einschließlich bildgebender Verfahren ist originäre Aufgabe der Logopädie. Wer als Logopäd:in in Österreich FEES durchführt, bewegt sich damit im definierten Berufsrahmen — ohne Zertifikat.
Das Argument für das Zertifikat ist trotzdem substanziell: Die strukturierte Ausbildung nach Curriculum, mit supervidierten Untersuchungen und Abschlussprüfung, stellt sicher, dass die Qualifikation nicht nur vorhanden, sondern auch nachweisbar und vergleichbar ist. In klinischen Kontexten, in Bewerbungsverfahren und in der interdisziplinären Zusammenarbeit macht das einen Unterschied.
Ausbildungsweg
- ESSD-Basiskurs (veranstaltet durch die ESSD)
- 30 direkt supervidierte Untersuchungen — 5 davon komplexe Fälle
- 30 indirekt supervidierte Untersuchungen — 5 davon komplexe Fälle
- Praktische Abschlussprüfung
- Zertifikat über die ESSD
Aktuelle Kurstermine und genaue Anforderungen direkt über die ESSD: essd.org
DGN oder ESSD — eine pragmatische Einschätzung
Für Therapeut:innen in Österreich: ESSD — schon allein, weil es die Kurse sind, die stattfinden. Für Therapeut:innen in Deutschland: DGN — aus denselben praktischen Gründen. Inhaltlich ist die Entscheidung weniger bedeutsam als die geografische.
