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Was ist FEES?

Flexible Endoskopische Evaluation des Schluckens

Ein nasopharyngoskopisches Verfahren zur Beurteilung des Schluckaktes bei neurogener Dysphagie.

Die Methode

Die Flexible Endoskopische Evaluation des Schluckens ist ein nasopharyngoskopisches Verfahren zur Beurteilung des Schluckaktes bei neurogener Dysphagie. Ein flexibles Endoskop wird transnasal in den Epipharynx geführt und ermöglicht von dort die direkte Sicht auf Velum, Pharynx, Larynx und Subglottis.

Schluckakt mit blau angefärbtem Bolus

Die Untersuchung erlaubt die Beurteilung von

  • Pharyngealer und laryngealer Sensibilität
  • Sekretmanagement und Speichelaspiration
  • Leakage, Residuen, Penetration und Aspiration bei verschiedenen Konsistenzen
  • Laryngealer Adduktionsfähigkeit und Schutzreflexen
  • Anatomischen Besonderheiten — z. B. bei Trachealkanülen-Patientinnen und ‑Patienten
  • Der Wirkung therapeutischer Manöver und Kompensationsstrategien

Klinischer Einsatz

FEES ist bettseitig durchführbar und wiederholbar — auch bei instabilen Patientinnen und Patienten. Das macht sie zur Methode der Wahl in der klinischen Dysphagie-Diagnostik, insbesondere in der Frührehabilitation und auf Intensivstationen.

Indikationen

  • Neurogene Dysphagien

    • nach Schlaganfall
    • bei Morbus Parkinson
    • ALS
    • Myasthenia gravis
    • MS
    • Chorea Huntington
  • Dysphagie bei intensivpflichtigen Patientinnen und Patienten

    insbesondere mit Trachealkanüle

  • Verlaufskontrolle unter Therapie

  • Kostaufbau und Kostanpassung

Therapeutische Manöver und Kompensationen

Die Überprüfung therapeutischer Manöver und Kompensationsstrategien ist Teil des Befundes: Sie werden im Rahmen der Untersuchung direkt erprobt und endoskopisch bewertet. Das Ergebnis fließt direkt in die Therapieplanung ein.

Hier liegt einer der wesentlichen Unterschiede zwischen einer FEES durch Logopäd:innen und einer rein diagnostischen Endoskopie durch HNO-Ärzt:innen.

Haltungsanpassungen und Kompensationsmanöver

  • Kinnneigechin tuck

    Verlagerung der Epiglottis, Veränderung des Vallecula-Volumens, Effekt auf Penetration/Aspiration endoskopisch direkt sichtbar.

  • Kopfrotation zur betroffenen Seite

    Der kontralaterale Sinus piriformis wird weiter, der ipsilaterale enger. Ob der Bolus tatsächlich auf die gewünschte Seite geleitet wird, lässt sich nur durch FEES beurteilen.

  • Kopfneigung zur gesunden Seite

    Nutzung der Schwerkraft bei einseitiger pharyngealer Parese.

  • Aufrechte Körperposition

    Als Basisintervention, Effekt auf Residuen quantifizierbar.

Deglutitions-Manöver

  • Supraglottisches Schlucken

    Aktiver Glottisschluss vor und während der Schluckeinleitung, Effekt auf laryngeale Penetration direkt beurteilbar.

  • Super-supraglottisches Schlucken

    Verbesserung des Arytenoid-Epiglottis-Kontakts.

  • Mendelsohn-Manöver

    Willkürliche Verlängerung der laryngealen Elevation, verlängert die Öffnungsdauer des oberen Ösophagussphinkters und minimiert Retention. Endoskopisch gut verfolgbar.

  • Effortful Swallow

    Erhöhung des pharyngealen Drucks.

    Bei Morbus Parkinson: negative Evidenz — die unkritische Anwendung ist kontraindiziert.

  • Masako-Manövertongue hold swallow

    Restituierendes Manöver, keine Kompensation. Trainiert die Kontraktion der pharyngealen Hinterwand durch Widerstand. Indikation: eingeschränkte posteriore pharyngeale Kontraktion.

Konsistenzmodifikationen

  • Wasser, angedickte Flüssigkeiten (IDDSI-Stufen), weiche und feste Konsistenzen

  • Effekt von Temperaturen auf Schlucktrigger und Schutzreflexe

Wichtig

Nicht jede dieser Interventionen ist bei jeder Patientin oder jedem Patienten sicher durchführbar oder indiziert. Die FEES schafft die Grundlage für eine evidenzbasierte Auswahl — nicht für ein standardisiertes Protokoll.

FEES und VFS — Indikation und Grenzen

VFS und FEES sind komplementäre Methoden. Welche eingesetzt wird, hängt von der klinischen Fragestellung ab.

Bildgebung
Direkte endoskopische Sicht
Fluoroskopisch
Strahlenbelastung
Keine
Ja, aber gering
Durchführungsort
Bettseitig möglich
Radiologie
Whiteout
Ja — intradeglutitiv
Nein
Sekretmanagement
Direkt beurteilbar
Nicht beurteilbar
Ösophaguspassage
Nicht einsehbar
Vollständig darstellbar
Therapeutische Manöver
Direkt erprobbar und beurteilbar
Bedingt
Quantität von Aspiration
Nicht beurteilbar
Beurteilbar

Der Whiteout — die endoskopische Sichtunterbrechung während des eigentlichen Schluckaktes — ist die bekannte Limitation der FEES. Für die Beurteilung von Aspiration vor und nach dem Schlucken, für Residuen und für das Sekretmanagement ist FEES jedoch der VFS überlegen.

Wer darf FEES durchführen?

Österreich

In Österreich ist das durch das Berufsgesetz der Logopädie (MTDG) klar geregelt: Diagnostik einschließlich bildgebender Verfahren obliegt der Logopädie. Eine gesonderte Zertifizierung ist berufsrechtlich nicht erforderlich.

Deutschland

In Deutschland ist die Situation uneinheitlicher — dort gibt das FEES-Zertifikat der DGN die formale Grundlage.

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